Panikbeschlag im Überblick: Panikstange nach EN 1125, Notausgangsverschluss nach EN 179 und Panikschloss
Panikbeschläge gliedern sich in zwei Normen und drei Bauformen. EN 1125 regelt die Panikstange für öffentlich genutzte Türen, an denen Panik möglich ist, EN 179 den Notausgangsverschluss mit Drücker oder Stoßplatte für Nutzer, die den Ausgang kennen; beide gibt es aufliegend, mit Panikschloss als Einsteckschloss oder als Stangenverschluss. Dieser Überblick ordnet die Typen, erklärt die Panikfunktion B, D und E und zeigt, was eine Position in der Beschlagliste enthalten muss.

Johnson LiuDigitale Kommunikation, Canton HylandMA Digitale Medien, Johns Hopkins University

Panikbeschläge und Notausgangsbeschläge gliedern sich in Europa in zwei Familien, festgelegt durch zwei Normen. DIN EN 1125 regelt Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange, also die Panikstange, für Türen in Rettungswegen, die von der Öffentlichkeit genutzt werden, wo Personen das Gebäude nicht kennen und mit Panik zu rechnen ist. DIN EN 179 regelt Notausgangsverschlüsse mit Drücker oder Stoßplatte für Nutzer, die den Ausgang kennen und bei denen keine Panik zu erwarten ist.
Beide Familien gibt es in drei Bauformen: mit einer Falle im Beschlag selbst (aufliegende Ausführung, im Englischen „rim“), mit einem Einsteckschloss in der Türkante oder mit Stangen, die oben im Rahmen und unten im Boden verriegeln. Das Panikschloss ist keine dritte Norm. Es ist das Einsteckschloss in einem Panikbeschlag in Einsteckausführung, und die Buchstaben B, D und E der Panikfunktion beschreiben, was die Außenseite der Tür tut. Auf der Innenseite muss jedes Panikschloss mit einer einzigen Bewegung von Stange oder Drücker öffnen, auch wenn die Tür abgeschlossen ist.
Panikstange oder Notausgangsverschluss: Wer die Tür benutzt, entscheidet
Die Grenze verläuft beim Menschen an der Tür, nicht bei der Bedeutung des Ausgangs. Ein öffentlicher Rettungsweg in einem Geschäft, einer Schule, einem Kino oder einem Krankenhaus bekommt eine Panikstange nach EN 1125, weil eine Stange auch dann öffnet, wenn jemand von einer Menge gegen die Tür gedrückt wird, den Arm nicht heben kann oder das Gebäude noch nie gesehen hat. Eine Personaltür zum Technikraum oder zu einem kleinen Büro, die täglich von denselben Personen begangen wird, kann einen Notausgangsverschluss nach EN 179 mit Drücker oder Stoßplatte erhalten. Im Zweifel ist die Panikstange die sichere Wahl: Ein Beschlag nach EN 1125 darf dort sitzen, wo EN 179 genügen würde, umgekehrt nicht. Welche Norm gilt, entscheiden das Bauordnungsrecht und das Brandschutzkonzept des Gebäudes; unser gesonderter Leitfaden zur Wahl zwischen EN 1125 und EN 179 geht diese Nutzerfrage im Einzelnen durch. Diese Seite behandelt, woraus jede Familie physisch besteht.
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| Druckstange auf zwei Armen | EN 1125, Typ A | Panikstange, Druckstange | Die Stange schwenkt bei Druck an beliebiger Stelle zur Tür | Öffentlichkeit; Menschenmengen; Panik möglich |
|---|---|---|---|---|
| Touchbar in einem Gehäuse über das Türblatt | EN 1125, Typ B | Panikstange, Touchbar | Die Stange taucht bei Druck an beliebiger Stelle in ihr Gehäuse ein | Öffentlichkeit; Menschenmengen; Panik möglich |
| Drücker | EN 179, Typ A | Notausgangsverschluss mit Drücker | Eine Abwärtsbewegung des Drückers | Nutzer, die den Ausgang kennen |
| Stoßplatte | EN 179, Typ B | Notausgangsverschluss mit Stoßplatte | Ein Druck auf eine flache Platte | Nutzer, die den Ausgang kennen |
4 rows · Ursprüngliche Reihenfolge
In dieser Tabelle steckt eine Falle. Der Buchstabe B bedeutet in EN 1125 eine Touchbar und in EN 179 eine Stoßplatte, und keines von beiden hat etwas mit dem B der Panikfunktion B zu tun. Drei verschiedene Dinge teilen sich einen Buchstaben; eine Beschlagliste, die nur „Typ B“ oder „Funktion B“ sagt, hat dem Lieferanten nichts gesagt, wonach er anbieten kann. Schreiben Sie Norm, Betätigungselement und Funktion aus.
Panikstange nach EN 1125: Druckstange oder Touchbar
Eine Druckstange steht auf zwei Armen von der Tür ab und schwenkt bei Druck zum Türblatt; eine Touchbar sitzt in einem Gehäuse, das quer über das Türblatt läuft, und taucht in dieses ein. Unser Beitrag zu Druckstange und Touchbar vergleicht die beiden Mechanismen, deshalb geht es hier nur um das Gemeinsame. Beide sind waagerecht, beide entriegeln bei Druck an beliebiger Stelle des Betätigungselements, und beide sitzen auf der Druckseite einer Tür, die in Fluchtrichtung aufschlägt. Die aus EN 1125 übliche Montagehöhe beträgt 900 bis 1100 mm über Oberkante Fertigfußboden bei geschlossener Tür, und die Stange sollte so lang sein, wie das Türblatt es zulässt, denn eine kurze Stange lässt einen Bereich der Tür, in dem Druck nichts bewirkt.
Notausgangsverschluss nach EN 179: Drücker oder Stoßplatte
Ein Notausgangsverschluss nach EN 179 sieht oft aus wie eine gewöhnliche Drückergarnitur, und genau deshalb landet er an Türen, an die er nicht gehört. Zum Notausgangsverschluss wird er durch das Schloss dahinter: ein Einsteckschloss, dessen Innendrücker mit einer Bewegung die Falle und, bei abgeschlossener Tür, auch den Riegel zurückzieht. Die Stoßplatte, Typ B, leistet dasselbe mit einer flachen Platte. In EN 179 werden Schloss, Drücker oder Stoßplatte und Schließblech als ein System geprüft, und dieselbe Logik gilt für einen Panikbeschlag nach EN 1125 in Einsteckausführung: Die Klassifizierung gehört zur gemeinsam geprüften Kombination, nicht zur Stange oder zum Drücker allein. Ein Drücker aus einer Quelle auf einem Panikschloss aus einer anderen ist eine neue Kombination, und die Klassifizierung der Einzelteile überträgt sich nicht auf sie.
Aufliegend, Einsteckschloss oder Stangenverschluss: wo die Tür tatsächlich verriegelt
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| Aufliegend (Rim) | Falle im Endgehäuse des Beschlags, in ein Schließblech am Rahmen | Einflügelige Tür; beide Flügel einer zweiflügeligen Tür mit Mittelpfosten | 308-S |
|---|---|---|---|
| Einsteckschloss | Einsteckschloss in der Türkante, über einen Vierkant betätigt | Einflügelige Tür; Gangflügel einer zweiflügeligen Tür | 307 mit Schlosskasten 072; 313 |
| Stangenverschluss, aufliegend | Riegel oben in den Rahmen und unten in den Boden | Standflügel einer zweiflügeligen Tür; hohe Türblätter | 320; 309-D |
| Stangenverschluss, verdeckt liegend | Dieselben zwei Punkte, Stangen im Türblatt | Zweiflügelige Türen ohne sichtbare Stangen | In unseren Datensätzen ist kein Modell mit verdeckt liegenden Stangen geführt |
4 rows · Ursprüngliche Reihenfolge
Das Betätigungselement sagt, wie ein Mensch die Tür entriegelt; die Bauform sagt, wo die Tür hält, und sie wird nach der Tür gewählt, nicht nach den Nutzern. 308-S ist der einfache Fall der aufliegenden Ausführung. Unser Datensatz beschreibt ihn als aufgesetzt montiert, für einflügelige Türen, ohne Schlosskasten geliefert, mit einer Druckstange zwischen zwei Seitengehäusen, Grundkörper aus Aluminiumlegierung und Stange aus Eisen. Die Maße werden vor der Bestellung anhand einer Zeichnung bestätigt, daher wird hier keines genannt.
307 ist ein Panikbeschlag in Einsteckausführung. Sein Datensatz nennt den Schlosskasten 072 mit 65 mm Dornmaß, 72 mm Entfernung, einem Vierkant 9 × 9 × 130 mm und zwei Lochungen für Profilzylinder; die Stange ist 1000 mm lang, der Außendrücker ist 015 oder 9080E, und die Zylinderlänge richtet sich nach der Türstärke. 313 wird ebenso über die Entfernung, 72 oder 92 mm, und einen 9-mm-Vierkant spezifiziert. Sein Datensatz nennt außerdem die Montage an DIN-links- und DIN-rechts-Türen, eine maximale Tür von 2520 mm Höhe, 1500 mm Breite und 200 kg, eine Einsatztemperatur von −10 bis +60 °C sowie die Kopplung an obere und untere Riegel für zweiflügelige Türen.
320 ist die Stangenausführung: Unser Datensatz bezeichnet ihn als Zweipunktverriegelung oben im Rahmen und unten an der Schwelle, nicht seitengebunden, mit Vierkant 8 × 8 oder 9 × 9 mm und Länge nach Kundenwunsch. 309-D ist ein Set für zweiflügelige Türen, das Gang- und Standflügel aufeinander abstimmt, mit 1110 mm langer Stange und Pulverbeschichtung. Bei zweiflügeligen Türen muss der Standflügel, gleich welche Lösung der Gangflügel hat, oben und unten oder an einem Mittelpfosten halten, und wo die Flügel überfälzt sind, sorgt ein Schließfolgeregler dafür, dass der Standflügel zuerst schließt.
Panikschloss: Was die Panikfunktion B, D und E bedeutet
Ein Panikschloss ist ein Einsteckschloss mit geteilter Nuss. Die Innenseite, die Panikseite, zieht Falle und Riegel mit einer einzigen Bewegung von Drücker oder Stange gemeinsam zurück, auch wenn die Tür abgeschlossen ist, und genau das macht eine verschlossene Tür weiterhin zur Fluchttür. Die Buchstaben der Panikfunktion beschreiben die Gegenseite, also die Seite, von der man hineingeht. Sie sind eine Konvention deutscher Schlosshersteller und keine Stellen im Klassifizierungsschlüssel von EN 1125 oder EN 179.
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| B | Umschaltfunktion | Funktionsfähiger Außendrücker, im verschlossenen Zustand ohne Funktion | Der Schlüssel schaltet den Außendrücker zwischen wirksam und leerlaufend um |
|---|---|---|---|
| D | Durchgangsfunktion | Funktionsfähiger Außendrücker, im verschlossenen Zustand ohne Funktion | Der Außendrücker öffnet, sobald das Schloss nicht verschlossen ist |
| E | Wechselfunktion | Feststehender Knauf oder Stoßgriff, kein wirksamer Drücker | Nur durch Drehen des Schlüssels, der die Falle zurückzieht |
3 rows · Ursprüngliche Reihenfolge
Funktion E ist am eindeutigsten: Außen gibt es nichts zu drehen, der Zugang erfolgt nur mit dem Schlüssel. B und D haben beide einen wirksamen Außendrücker, und der Unterschied in der Tabelle ist der, den die meisten Hersteller beschreiben. Wo die Beschreibungen von Hersteller zu Hersteller abweichen, ist das Verhalten, nachdem jemand eine verschlossene Tür von innen im Panikfall geöffnet hat: ob der Außendrücker danach nutzbar bleibt, bis die Tür wieder abgeschlossen wird, oder wieder leerläuft. Eine einheitliche Regel dafür konnten wir nicht bestätigen; klären Sie es deshalb anhand des Datenblatts des konkreten Schlosses. Daneben gibt es selbstverriegelnde Panikschlösser: Der Riegel fährt bei jedem Schließen der Tür selbsttätig aus, sodass die Tür verschlossen ist, ohne dass jemand den Schlüssel benutzt. Unser Schlosskasten 072 und unser Datensatz zum 313 nennen keine Panikfunktion. Leiten Sie sie nicht aus einem Foto ab, sondern lassen Sie sie sich mit der Bestellung schriftlich bestätigen.
Außenbeschlag: die Hälfte der Tür, die die Normen Ihnen überlassen
Keine der beiden Normen verlangt etwas auf der Außenseite der Tür; eine glatte Außenseite ohne Beschlag, also reiner Notausgang, ist eine zulässige Wahl. Wo Personen hineingehen müssen, erhält ein aufliegender Beschlag oder ein Stangenverschluss einen separaten Außendrücker, meist mit Zylinder, der durch die Tür mit dem Kopf des Beschlags verbunden ist. Ein Beschlag in Einsteckausführung erhält den Außendrücker oder Knauf des Schlosses selbst, weshalb Panikfunktion und Außenbeschlag gemeinsam gewählt werden müssen. Der Datensatz des 307 nennt 015 oder 9080E als Außendrücker. Unser Leitfaden zum Außenbeschlag von Panikbeschlägen vergleicht die Funktionen einzeln, daher ergänzt diese Seite nur die Regel ohne Ausnahme: An einer Feuerschutztür darf die Falle eines Panikbeschlags niemals mechanisch zurückgehalten werden.
Die Zeile in der Beschlagliste
Eine Position in der Beschlagliste, die ein Lieferant nicht missverstehen kann, nennt sechs Dinge. Erstens die Norm mit vollständigem Klassifizierungsschlüssel, wie er im Zertifikat des angebotenen Beschlags steht. Zweitens das Betätigungselement: Druckstange, Touchbar, Drücker oder Stoßplatte. Drittens die Bauform: aufliegend, Einsteckschloss, Stangenverschluss aufliegend oder verdeckt liegend. Viertens bei Einsteckausführung die Panikfunktion, ausgeschrieben und mit Buchstaben. Fünftens den Außenbeschlag oder „nur Notausgang“. Sechstens die Tür: einflügelig, Gang- oder Standflügel, Türstärke und Anschlagrichtung als DIN links oder DIN rechts, zusammen mit der Seite, von der aus betrachtet wird. Fluchttüren, die elektrisch verriegelt und elektrisch freigegeben werden, fallen unter eine andere Norm, EN 13637, und sind nicht Gegenstand dieser Seite.
Was unsere Datensätze angeben und was nicht
Die auf dieser Seite genannten Datensätze beschreiben Maße, Werkstoffe und Bauformen. Keiner von ihnen nennt eine Klassifizierung nach EN 1125 oder EN 179, und nichts auf dieser Seite ist als solche zu lesen. Ob eine bestimmte Kombination aus Stange, Schloss, Schließblech und Außenbeschlag eine Klassifizierung besitzt, beantwortet nur ein Zertifikat, das genau diese Kombination nennt: Fordern Sie es für das angebotene Modell an, und werten Sie sein Fehlen als Antwort.
Fragen, die dieser Beitrag beantwortet
Was ist der Unterschied zwischen EN 1125 und EN 179?
EN 1125 regelt Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange, also Panikstangen als Druckstange oder Touchbar, für Türen, die von der Öffentlichkeit genutzt werden und an denen Panik möglich ist. EN 179 regelt Notausgangsverschlüsse mit Drücker oder Stoßplatte für Nutzer, die den Ausgang kennen. Ein Beschlag nach EN 1125 darf dort eingesetzt werden, wo EN 179 genügen würde, umgekehrt nicht. Welche Norm gilt, entscheiden Bauordnungsrecht und Brandschutzkonzept.
Was bedeuten Panikfunktion B, D und E beim Panikschloss?
Sie beschreiben die Außenseite der Tür; innen öffnet ein Panikschloss immer mit einer Bewegung, auch wenn abgeschlossen ist. E (Wechselfunktion) hat außen einen feststehenden Knauf oder Stoßgriff, Zugang nur mit Schlüssel. B (Umschaltfunktion) und D (Durchgangsfunktion) haben einen Außendrücker, der im verschlossenen Zustand ohne Funktion ist: Bei D öffnet er, sobald das Schloss nicht verschlossen ist, bei B schaltet der Schlüssel ihn zwischen wirksam und leerlaufend um. Das Verhalten nach einer Panikbetätigung unterscheidet sich je nach Hersteller; prüfen Sie es im Datenblatt des konkreten Schlosses.
Ist ein Panikschloss dasselbe wie eine Panikstange?
Nein. Das Panikschloss ist das Einsteckschloss in der Türkante; Panikstange oder Drücker sind das Betätigungselement, das es antreibt. Ein Panikbeschlag in Einsteckausführung braucht beides, und die Klassifizierung gehört zur gemeinsam geprüften Kombination, nicht zu einem Einzelteil. Eine aufliegende Ausführung hat kein Einsteckschloss: Ihre Falle sitzt im Gehäuse des Beschlags selbst.
Darf eine Stoßplatte an einer öffentlichen Fluchttür verwendet werden?
Nicht als Paniktürverschluss nach EN 1125. Die Stoßplatte ist ein Betätigungselement nach EN 179, dort Typ B, und für Nutzer gedacht, die den Ausgang kennen. An einer Tür, an der Panik möglich ist, verlangt EN 1125 eine horizontale Druckstange oder Touchbar. Typ B bedeutet in EN 1125 eine Touchbar, also ein anderes Teil mit demselben Buchstaben.
Welcher Panikbeschlag passt an eine zweiflügelige Fluchttür?
Meist ein aufliegender Beschlag oder einer mit Einsteckschloss am Gangflügel und ein Stangenverschluss am Standflügel, der oben und unten verriegelt, dazu ein Schließfolgeregler, wenn die Flügel überfälzt sind. Die andere übliche Lösung sind zwei aufliegende Beschläge, die gegen einen Mittelpfosten verriegeln. Prüfen Sie, ob die Klassifizierung jedes Beschlags den Flügel abdeckt, an dem er sitzt.
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